Was bitte ist das Zweitspielrecht?

Ganz Fußball-Deutschland fiebert mehr oder weniger erwartungsvoll auf das Ende der Transferperiode in der Fußballbundesliga, die morgen am 31. Januar um 18 Uhr endet. Bis zu diesem Zeitpunkt kann noch alles – oder auch gar nichts – im Kampf um die vermeintlich besten Spieler passieren. Da wird gezockt und gepokert was das Zeug hält und die einschlägigen Medien sind ganz aus dem Häuschen oder hören das Gras wachsen…

Aber wie sieht es denn auf Kreisebene aus? Gibt es da Wechselfristen? Können sich Kreisligamannschaften auch im Winter verstärken?

Die Antwort lautet: Jein.

Auf Kreisebene gibt es diese Wechselperioden nur einmal im Jahr zum Sommer. Eigentlich.
Denn uneigentlich kann auch im Winter gewechselt werden, wenn der Spieler oder die Spielerin die Vereinsmitgliedschaft beim vorigen Verein bis zum 31. Dezember gekündigt hat und den Wechsel bis zum 31. Januar beantragt. In der Regel folgt dann eine dreimonatige Spielsperre ab dem letzten Einsatz im vorherigen Verein.

Aber was ist, wenn man den Verein gar nicht wechseln will? Weil man z.B. noch andere Vereinsparten nutzen möchte oder eine Familienmitgliedschaft hat. Oder weil man aus traditioneller Verbundenheit dem Heimatverein nicht den Rücken kehren will, aber es vielleicht schlicht keine Mannschaft in der entsprechenden Altersklasse gibt. Oder das Leistungsniveau nicht passt. Oder, oder, oder.

Hierfür bietet sich das sogenannte Zweitspielrecht an.

D.h. ein Spieler oder eine Spielerin bleibt Mitglied im bisherigen Verein (Stammverein) und entrichtet an diesen, wie bisher, seinen Mitgliedsbeitrag. Der Stammverein beantragt das sogenannte Zweitspielrecht nach Jugendordnung §12 für den zukünftigen Gastverein. Zusammen mit der Unterschrift der Eltern und dem Spielerpass muß der Antrag bis zum 31. Januar beim Staffelleiter eingegangen sein. Nach Genehmigung gehen der Spielerpass und eine zusätzliche rote Karte “Zweitspielrecht” an den Gastverein und künftig darf die Spielerin oder der Spieler für den entsprechend beantragten Jahrgang am Punktspielbetrieb teilnehmen.

Eine weitere Besonderheit: Spieler oder Spielerin ist sogar berechtigt weiterhin Punktspiele für den Stammverein zu absolvieren, sofern die entsprechenden Mannschaften aus Gast- und Stammverein in unterschiedlichen Altersklassen/Ligen spielen. Dabei ist nur ein Spiel pro Tag erlaubt!

Als Trainer der TSV Stelle U15 Junioren Jahrgang 2003 begrüße und nutze ich diese Regelung, sowohl als Gast- und Stammverein. Zwei Spieler spielen in unserer U15 als willkommene Gäste und eine Spielerin spielt sowohl für unser Team, als auch als Gastspielerin im Nachbarverein. Den Spielern und Spielerinnen wird so die Möglichkeit gegeben weiterhin ihren Fußballsport auszuüben, auch wenn der Stammverein zu diesem Zeitpunkt keine altersgerechte Mannschaft am Start hat, ohne dabei doppelte Mitgliedschaften eingehen oder auf die Leistungen anderer Sparten verzichten zu müssen. Eine wirklich sinnvolle Regelung für den Sport!

Und weil morgen Stichtag ist, weise ich völlig uneigennützig auf das heutige Training der U15, von 17:00 bis 19:00 Uhr, draußen auf der Kurzen Heide hin. Zum Schnuppertraining sind talentierte und zuverlässige Jungen Jahrgang 2003 (2004) und Mädchen 2003 (2002) herzlich willkommen. Und auch das ist besonders an unserem Team: bereits fünf bärenstarke Mädchen unterstützen unsere U15!

Ich hoffe, ich konnte diese nicht ganz unwichtige Wechselbesonderheit »Zweitspielrecht« verständlich und fehlerfrei vermitteln und freue mich auf weitere Verstärkung.

Wir sehen uns. Heute. 17.00. Besten Gruß

Oliver Schuh | Trainer TSV Stelle U15 Jahrgang 2003